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Die Tochter an den Vater
(von einer fern vom Vaterhause lebenden Tochter)
Einst in Deiner teuern Nähe,
Eilt' ich stets mit frohem Sinn,
Daß ich Segen die erflehe,
Wenn der heut'ge Tag erschien;
Gratulierte Dir von Herzen,
Väterchen, zum neuen Jahr,
Brachte unter heitern Scherzen
Auch ein Küßchen gern Dir dar.
Aber anders ist es heute.
Freut sich auch mein kindlich Herz,
Mischt sich doch in meine Freude
Auch der Trennung bittrer Schmerz.
Und doch nein! ich darf nicht klagen;
Ob mein Auge Dich nicht sieht,
Ist's, von Liebe leicht getragen,
Doch mein Herz, das zu Dir flieht.
In der Liebe süßen Worten
Bringt es Dir der Tochter Gruß. -
Öffne stets das Glück die Pforten
Dir zum seligsten Genuß!
Wahrheit werde jedes Streben,
Dem Du Deine Kräfte weihst,
Und noch lange durch das Leben
Wandre, stark an Leib und Geist.
Treu mag Dich der Herr behüten,
Ob's auch Abend werden will;
Seiner Liebe heil'gen Frieden
Sende er in's Herz Dir still!
Dazu laß er Dir zur Seite
Fest und stark lieb Mutter stehn
Hundert Jahre noch wie heute!
Und dann woll'n wir weiter sehn.
Die Festtage des
Lebens, 1856
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