Geburtstag.org - Ein Sohn an die Mutter
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Geburtstagsgedichte





Ein Sohn an die Mutter
(aus der Ferne)

Bei später Abendstunde - im stillen Zimmerraum
Da will ich mich versenken in einen schönen Traum,
Will träumen jetzt in Wonne von meinem Mütterlein
Und will auf Geistesschwingen ihr gegenwärtig sein.
Was träum' ich? O ich schaue mit voller Innigkeit,
Wie frohe Lebensjahre des Herren Hand ihr beut,
Ich sehe mit Entzücken an ihr die alte Kraft,
Die für den Sohn und Vater noch unermüdet schafft.
Ich seh in ihrem Antlitz die alte Lieb und Treu,
Sie wird mit jedem Tage in Allem wieder neu.
Es duften frische Kränze, das Zimmer ist geschmückt
Und innig hat der Gatte sie an sein Herz gedrückt,
Und wie die beiden Herzen der erste Zauber band,
So wallen sie in Liebe und fröhlich Hand in Hand.
Ich höre nach mir fragen, sie frägt nach ihrem Sohn;
O wahrlich, sie verdienet den reichsten Mutterlohn.
Sie hat ihn ja geboren, gewartet und gepflegt,
So freudenvoll und gläubig stets Gott an's Herz gelegt.
Uch ich? Ich kann nicht eilen? O blaue Berge dort!
Ihr meiner Heimat Lüfte! ihr ziehet fort und fort!
Könnt' ich mit Euch doch wallen! Wie wollt ich selig ziehn,
Dorthin, wo unsrer Mutter Geburtstagskränze blühn!
Könnt' ich mich hoch erheben, zur Mutter flög' ich hin,
Zu der geliebten Mutter mit Ihrem treuen Sinn!
Doch das ist unser Glaube und unsre Freudigkeit,
Weil Deinen Weg mit Blumen der Engel Gottes streut.
Leb' herzlich wohl! Gedenke an's bald'ge Wiedersehn,
Gedenk', daß seltne Freuden das Glück noch mehr erhöh'n!
Drum wollen wir nicht zagen: den, wer es redlich meint,
Den hat oft mit den Seinen das Schicksal froh vereint!
Es eilen schnell die Stunden, die Tage gehn und fliehn,
O glücklichere Zeiten, wenn sie zu Dir mich ziehn!
Ich sitz' in Eurem Kreise - ich koste süßen Schaum -
Stoßt an! Von unserm Feste laßt mir der Seele Traum.

Die Festtage des Lebens, 1856












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