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Der Mutter von der fernen Tochter
Es ist das erste Mal, dass Du die Tränen,
Die dank und freudvoll Deine Tochter weint.
Nicht trocknen kannst; es ist das erste Sehnen:
Ach, wär' ich heute doch mit Dir vereint!
Wie wollte ich Dich küssen und bekränzen
Und Dir mein Glück und meine Lust gestehn!
Könnt' ich nur heut Dem Mutterauge glänzen.
Nur heut, nur heut Dich ein Mal wiederseh'n!
Doch, das mir nicht vergönnt wird, nimm die Zähren
Zum Opfer, die auf dieses Blatt gerollt,
Die, wenn wir heute bei einander wären,
An Deiner Mutterbrust ich Dir gezollt.
Ich kann ja Nichts, als wünschen, beten, weinen.
Mein einziger Gedanke ist Dein Glück!
So ist's, als könnt' ich mich mit Dir vereinen,
Als trügen Engel mich zu Dir zurück.
Und, was kein Wort vermag, Dir zu verkünden,
Was tief in meinem Innersten erbebt,
Das wirst Du doch in diesen Zeilen finden,
Weil sie mein kindliches Gefühl belebt.
Ob Jahre mich auch fern von Dir noch halten,
Das kindliche Gefühl verschwindet nicht;
Denn Deiner Liebe mütterliches Walten
Macht mir es ja zur heilig süßen Pflicht!
Poetischer
Bibliothekar, 1845
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