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Zum Geburtstage eines Knaben
Nimm, lieber, holder Knabe,
Auf Deiner Erdenbahn
Dies Band als eine Gabe
Zur Wiegenfeier an.
Es bleibe Dein und stelle
Dir einst in spät'rer Zeit
Ein Bild voll Farbenhelle
Von der Vergangenheit.
Noch lebst Du unbefangen.
Umglänzt von Sonnenschein;
Noch wenig Dein Verlangen,
Noch wenig Kummer Dein.
Noch kennst Du keine Sorgen,
Dein Wunsch ist Tand und Spiel;
Noch weckt Dich jeder Morgen
Zum freudigen Gefühl.
O wär' Dein ganzes Leben
So sorgenlos und rein,
Von Rosenlicht umgeben
In diesem Pilgerhain.
Wär' Deine Mittagssonne,
Wie jetzt Dein Morgenlicht;
Dein Leben voller Wonne,
Ein holdes Traumgesicht.
Ach, aber mit den Jahren
Wird's anders um Dich sein -
Zum Kämpfen, zu Gefahren
Ziehst Du ins Leben ein.
Es wird die Blüte schwinden
Von Deinem Hoffnungsbaum;
Nur Täuschung, wirst Du finden,
Gab Dir Dein Jugendtraum.
Drum nütze Deine Jugend
Und bleibe auf der Bahn
Des Fleißes und der Tugend
Als Jüngling und als Mann.
Bleib' Deiner Eltern Freude
In fern'rer Lebensfrist,
Wie Du, im Unschuldskleide,
Es ihnen heute bist.
Dass nicht Dir bange Reue
Im letzten Kampf' erscheint;
Doch Liebe voller Treue
An Deinem Sarge weint.
Poetischer
Bibliothekar, 1845
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