| |
Zum 80. Geburtstag
Wem Gott ein hohes Alter schenkt
Voll Manneskraft und Mut,
Mit einem Blicke ungesenkt,
Dem ist er wahrlich gut.
Ihn ehr't das Weib, ihn ehr't der Mann
Den rüst'gen Ehrengreis;
Die Jugend sieht ihn staunend an
Und jauchzt ihm Ruhm und Preis.
Er sah der Menschen kommen viel,
Und sah sie wieder geh'n;
Nur er blieb, fern vom Grabesziel,
Noch ungerufen steh'n.
Um seine Stirne glänzt der Kranz
Der Weisheit dieser Welt,
Wie Abendrot vom Sonnenglanz
Den letzten Strahl erhält.
Dir, Vielverehrtem, bring' ich dar
Dies treue Jubellied,
Der heute volle Achtzig Jahr
In seinem Leben sieht.
Was wechselhaft mit Dir geschah,
War's Freude oder Schmerz;
Noch immer stehst Du rüstig da,
Und warm noch pocht Dein Herz.
O mögen noch der Jahre viel
Dir sanft vorüber flieh'n;
Noch ferne bleibe Dir das Ziel,
Wo die Zypressen blüh'n.
Wer kann auch inniger, als ich,
Dies Glück für Dich erfleh'n;
Wer schmerzlicher sich ohne Dich
Einst hier auf Erden seh'n!
O möchte lange, lange noch
Dein Geist auf Erden sein.
Und kräftige Gesundheit doch
Dich immerdar erfreu'n!
Nicht Worte nur, nicht ein Gedicht
Von Fantasie erzeugt; -
Der Wunsch, den meine Seele spricht,
Sei hier Dir überreicht.
Und was die Seele heiß und treu
Erfleht von Gott, dem Herrn,
Das führt erfüllend er herbei,
Denn er beglücket gern.
Sammlung von
Gelegenheitsgedichten, 1852
|
|