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Einem bekümmerten Herzen im Winter
Ein trübes Wiegenfest! Auf Tal und Höh
Liegt unerbittlich noch der kalte Schnee;
Kein warmer Lufthauch weht, kein Blümchen blüht,
tönt nah und ferne noch kein Vogellied.
Und immer kälter wirds und immer trüber,
und jede Frühlingshoffnung scheint vorüber.
Und doch - es zieht die goldne Sonne leise
Auch hinter Wolken ihre lichten Gleise,
und wars nicht immer klarer Sonnenschein,
doch leise, leise zieht der Frühling ein.
Wir blicken staunend auf zum blauen Raum,
der lange Winter dünkt uns nur ein Traum.
So gibts im Menschenherzen Tag und Stunden,
wo jede Freudenhoffnung scheint geschwunden.
Wir blicken trüb nach dem vergangnen Tag,
wir bangen leis nach dem, was kommen mag.
Und doch hat stets, auch wo wirs nicht gedacht,
die ewige Liebe uns gewacht.
Hat durch der Sorge, durch der Zweifel Wogen,
die Seele still zu sich herangezogen.
Zur rechten Stunde ist sie doch genaht,
zu gutem Ziele kam der schwere Pfad.
Und wir vergessen die vergangnen Klagen,
um für die Hilfe frohen Dank zu sagen.
So schaue du auch, über Frost und Schnee,
vertrauensvoll und freudig auf zur Höh,
und glaube, wenn es noch so trübe geht,
dass deine Sonne doch am Himmel steht;
und dir auch werde froh das Sprichwort wahr:
"Erst gegen Abend wird der Himmel klar!"
von Ottilie
Wildermuth, 1817 - 1877
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